Donnerstag, 4. März 2010

Ein Blog aus dem Jahre 1773 o.O

Der alte Mr. G. war seiner Zeit scheinbar weit voraus. Die Sprache ist sehr lebendig und doch mit schönen, altvertrauten G-Bildern vollgepackt. Nur manchmal werden die Bilder zu bunt, zu schwülstig, zu übertrieben, aber auf der anderen Seite paßt das zum Charakter der Hauptperson, also muß man das hinnehmen.

Nun will ich weiter auf die Handlung bzw. die Personen eingehen, also sollten Leser meines Blogs, welche noch Leser des besagten Buches von Mr. G. werden wollen (sehr kryptisch mal wieder, aber ohne Sternchen ... extra für die älteren Semester unter uns *duck* ^^), hier nicht mehr weiter lesen.

Die Hauptfigur des Buches ist mir als Person herzlich unsympathisch. Aber ich mag die Inkonsequenz seiner Haltungen, welche sehr menschlich erscheinen. Heute hüh, morgen hott, übermorgen den Sprung über den Zaun ... das paßt einfach und läßt es sehr real wirken. Wie in unseren Blogs ... mal sind wir gut drauf, mal mies; mal schreiben wir was Nettes, mal was Böses; mal sehen wir uns als Nabel der Welt, mal als vergessenen Schatten im Raum ... das ist menschlich. Die Hauptfigur in dem Buch ist kein klassischer Archetyp, sondern man merkt recht schnell, daß der alte Mr. G selbst sich etwas von der Seele geschrieben hat. Da liegt viel Herzblut drin.

Hätten wir doch in der Schule dieses Buch anstelle von "Geschlossene Hand" gelesen oder doch wenigstens ebenfalls. Nicht, daß ich "Geschlossene Hand" nicht mögen würde, aber es ist einfach meiner Meinung nach heute überbewertet, was wohl auch durch sein ständiges Auftreten in der Schule zustande gekommen ist.

Heute rezitiert jeder, der sich für gebildet hält, aus "Geschlossene Hand" - als ob es der Inbegriff der Bildung wäre. Aber in meinen Augen steht es mittlerweile eher dafür, daß man seinen literarischen Horizont nicht über die Schulliteratur hinaus erweitert hat, was doch eher einem Armutszeugnis entspricht. Aber gut ... da kann man sicher geteilter Meinung sein. "Geschlossene Hand" ist kein schlechtes Stück ... nur einfach meiner Meinung nach überpräsent im Verhältnis zu dem gesamten restlichen Werk des alten Mr. G.

Warum ist die Hauptfigur unsympathisch? Da die letzten Deutschstunden ein paar Jährchen zurückliegen, schreibe ich einfach mal meine ehrliche Meinung, welche die Deutschlehrer/innen dieser Nation wohl in keiner Lektürenhilfe unter ihrem Lehrerpult nachschlagen können: Die Hauptfigur erscheint stark narzisstisch, punkt-aus-basta! Damit ist schon alles Bemerkenswerte zur Hauptfigur gesagt. ^^

Aber der Schreibstil an sich ist schick und wie bereits erwähnt sehr lebendig. Da hat der alte Mr. G. wirklich nicht mit seinem Talent gegeizt. Obwohl mir die Hauptperson im Verlauf immer unsympathischer wurde, weil sie immer mehr das Narzisstische annahm, konnte ich das Buch doch nicht weglegen, weil es gut geschrieben war und dadurch so real wirkte.

Also ... mich hat das Buch zwar nicht in eine tiefe Depression gestürzt und ich werde mir deswegen keinen großen Stein zum Gang ins Wasser suchen, aber es war faszinierend, weil man beim Lesen irgendwie das Gefühl bekommt, Briefe von Mr. G. anstatt von der Hauptfigur zu lesen und wer würde diesem Mann nicht gern mal ins Köpfchen gucken, um festzustellen, daß der große Dichter und Denker auch nur ein Mensch war. Zwar ein sehr erfolgreicher Mensch, aber halt doch nur ein Mensch ... und eventuell ein Narzisst, aber vielleicht ist das ja auch nur der künstlerische Ausdruck, um der Hauptfigur gerecht zu werden. ^^

8 Kommentare:

  1. was "geschlossene Hand" angeht, stimme ich dir zu. Besonders reizend auch: die Reziteure, so zeigt sich allzu oft, wissen Zusammenhänge über ihr Zitat hinaus oft nicht zu erfassen. Deine Einschätzung, sie wollten sich als intellektuell beweisen, ohne wirklich gehaltvoll zu sein, hat was!

    Interessant ist für mich die Frage, von welchem Werk du sprichst. Ich tippe auf "des Sprösslings Auas". Die Figur ist denke ich weniger ein Mensch, sondern versprachlichte Emotion bzw. der Versuch einer Ergründung dieser. Drum unausweichlich sehr narziistisch, denke ich.

    Ach und die angegebene Uhrzeit hier ist ebenso fiktiv!

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  2. Mr.G.? Das' der vom A-Team, oder? Und "Geschlossene Hand" issen Indianer, nech?
    Boah, ich bin ja soooo schlau. Mit Sternchen hätt ich das nie, niemals nicht rausgekriegt.
    Btw: Gebildete Menschen zitieren überhaupt nicht, sondern erschaffen Worte, die anschliessend von den Plinsen zitiert werden.^^
    Und meine Uhrzeit ist real. Ich geh gezz Heia machen...davor überleg ich noch, ob ich dir sagen soll, dass Narzisst nicht Narzisst, sonden Narziss geschrieben wird. (Mr.G. war übrigens auch 'n ziemlicher Klugscheisser)
    8)

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  3. Ei, wenn es das Buch ist über was du letztens schriebtest (?), bist du allerdings wirklich fix. oO

    "Geschlossene Hand" - dat war jetzt genial, ich hab grad ehrlich überlegt ob ich irgendwas verpasst hab *löl*, und ja, wird überbewertet, find ich. Aber wird ja eh viel in diesem Bereich.

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  4. Wieso nur driften hier immer mehr Blogs ins Kryptische?
    Da werden Buchstaben von Firmen weggelasen und Namen kurzerhand umschrieben. Habt Ihr alle Angst irgendwelche Urheberrechte zu verletzen.^
    Ich glaube seitens Herrn Goethe besteht da keine Gefahr mehr. ;-)
    Oder macht es Dir einfach Spaß Deine Leser zu verwirren. Ich persönlich glaube ja eher, das ist des Pudels Kern. ^^

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  5. *rofl* *leise anmerk, dass auch ein gewisser 'Mr. D' manchmal ein ziemlicher Klugscheisser ist* *hrhrhr*

    @Buch: Ouh Mann..bitte wieder Sternchen. Ich hab ewigst überlegt, von wem denn der Titel "Geschlossene Hand" ist und was das überhaupt für ein bescheuerter Titel ist. *tilt* (aber zugegeben, hab mich selbst erstmal über meine Doofheit totgelacht, als es mir wie "Dinger, die Fische so an sich haben und die andere auf den Schultern tragen, von den Sehorganen" fiel. <--- Jaaaa, ich kann auch kryptisch!!!einseinself111

    Ich bin ja froh, dass ich seinerzeit so einen tollen Deutschlehrer hatte, der hat uns immer gesagt, aus welchen Epochen wir was lesen müssen und hat dann dazu jeweils Werke genannt, die in Frage kommen und dann durften wir aussuchen, was wir lesen wollen.
    Dadurch "fehlen" mir zwar die 0815-Standard-Werke, aber ich hatte dafür ungeheuer Spaß bei jeder Lektüre. ^^

    Was liegtn als Nächstes an in Deiner "wichtige Werke"-lesereihe?

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  6. @Iwi: Ja, Des Sprößlings Aua war es. ^^ Das mit dem Gefühl ist auch eine gute Erklärung. Aber die Hauptfigur bezieht ja wirklich alles auf sich, nicht nur das um Lady L ... da paßt ein eindimensionales Gefühl nicht so recht, finde ich.

    @Demian: Bist du da sicher? Meinem Sprachgefühl nach wird Narziss nur für das griechische Orginal genommen und Narzisst für die Nachmacher. Aber ich könnte mich auch täuschen.

    @Mika: Ja, mehr als zwei Stunden braucht man nicht dafür. Das ist ja mein Problem mit Bücherkauf - ich ziehe sie zu schnell vom Auge ins Hirn, weswegen ich so langsam ans Bücherausleihen gehen mußte, weil es sonst zu teuer wird.

    @Imperator: Es leben die Rätsel! Ist doch toll, wenn man mal ein bissi um die Ecke denken muß. Ich mag das jedenfalls. Und ja ... bei aktuellen Firmen etc bin ich lieber ein bissi überparanoid. Aber schadet ja auch nicht, weil es jeder rausfindet.

    @Mem: wenn der Herr D. sich dieses Mal nur nicht irrt. Wäre jetzt schon praktisch, wenn man eine Püschelogin kennen würde, die dem Begriff bestimmt irgendwann in ihrem püschelogischen Studium begegnet ist. Aber wer kennt schon so jemanden? ^^

    Das nächste Buch wird Der Klugscheißer von Mes*ing, nur mit L. Bin darauf auch sehr gespannt.

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  7. Du täuschst dich. Aber sowas von. ;)

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  8. Waaaaaaaaah, *auf Knien ranrutsch* ich muss mich verbessern...aufgrund einiger unvorhergesehener Mitteilungen des unteren Bloggeriats wurde ich quasi gezwungen, in Sachen Narziss/Narzisst zu recherchieren. Und siehe da (oder auch dort oder wo auch immer): du hast Recht. Bei den Psychos heisst das Narzisst. *zerknirscht um Vergebung bettel*
    Komisch, als die mir den Vertrag und diesen komischen Hut gegeben haben, hammse mir gesagt, ich sei unfehlbar...tscha, war wohl nix.

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