Freitag, 19. Februar 2010

Selbstdiagnose

Heute habe ich während einer langen Zugfahrt mal wieder ein Selbstdiagnoseprogramm laufen lassen und bin zu folgender Erkenntnis gekommen:

Ich bin zwar nicht dumm, stelle mich selbst aber in Gesprächen mit Menschen, die mich nicht gut kennen, aber denen ich wohl öfters begegnen werde, manchmal unwissend und manchmal sogar etwas naiv dar, um nicht gleich am Anfang unsympathisch zu wirken. Manche Menschen fühlen sich nämlich nach meinen Erfahrungen in einem Gespräch mit mir sicherer und gut, wenn sie etwas erklären und sich in einer Führungsrolle im Gespräch sehen.

Und da die meisten es irritierend finden, wenn ich das ganze Palaver abkürze, indem ich auf einen Satz antworte, der erst nach drei weiteren Sätzen kommen würde, habe ich mir angewöhnt, mich in realen Unterhaltungen mit manchen Menschen, die mich noch nicht richtig kennen, sehr zurückzunehmen, den Kopf schräg zu legen und andächtig dem Erzähler zu lauschen. Menschen wollen gerne überraschend und unvorhersehbar sein. Und ich möchte nicht gleich von Anfang an als das arrogante A****loch darstehen, das alles zu wissen meint und auf alles eine Antwort hat.

Nur manchmal, wenn ich mich für ein Thema begeistere, klappt das Zurücknehmen nicht. Dann schießen meine Gedanken einfach aus meinem Kopf und es fühlt sich so gut, ich so lebendig an. Das kann beim Gegenüber gut ankommen, aber auch total freaky wirken. Zum Glück bin ich beruflich in einer Branche tätig, in der es gut ankommt, wenn ich mich für mein Thema begeistere, phantasiere, plane, überlege. Deswegen habe ich studiert ... um so den Tag über sein zu können.

Das bedeutet nicht, daß ich mich zurücknehme, wenn mich jemand ärgert. Da bin ich sehr direkt. Aber wenn ich einen guten ersten Eindruck machen will und die Person so einschätze, daß sie ... das klingt jetzt echt doof und arrogant ... mit mir als Gesprächspartner überfordert wäre, schalte ich einen Gang runter, um den ersten guten Eindruck nicht zu versauen. Später legt sich das bei manchen, bei anderen nicht. Deswegen ist es immer blöd, wenn mir zwei oder mehrere Leute zur gleichen Zeit begegnen, die aber auf einem unterschiedlichen Kenntnisstand über mein wahres Ich sind. Zurücknehmen oder Nicht-Zurücknehmen ist dann immer insgeheim die Frage.

Geht das nur mir so?

6 Kommentare:

  1. Hm... ist denke es ist normal dass man anders mit Leuten spricht, die man schon kennt. Aber ich denke so eine bewusst bewusste Entscheidung wie bei dir ist das selten - ich denke die meisten sind halt einfach schüchtern.

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  2. Ehrlich?
    Lass die langen Zugfahrten sein. Oder guck aussem Fenster..^^
    Du versuchst dich selbst zu kontrollieren...das kann manchmal gut, manchmal aber auch sehr kontraproduktiv sein.
    Ich hab's da einfacher. Ich benehm mich immer wie'n Arsch...und es ist mir völlig latte, was andere über mich denken, mal von ein paar Leutchen abgesehen.

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  3. Demian, ich glaub du bist zu hart zu dir. Du benimmst dich nicht wie ein Arsch, du sagst halt offen deine Meinung.

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  4. ja, ich kenne das. obwohl ich mich wirklich äußerst selten komplett zurückhalte, weil das gefühl, wie du schon beschriebst, einfach so toll ist! :D

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  5. Nein, ich glaube nicht, dass es nur dir so geht. In einem gewissen Maße habe ich das auch. Nur vielleicht überwiegen bei mir etwas andere, nicht ganz so tiefschürfende Gründe.

    Bin ja so ein kleiner Höflichkeitsfanatiker (man mag es nicht glauben) und finde es wichtig, meinem Gesprächspartner wertschätzend entgegenzukommen. Dazu gehört für mich auch, dass ich ihn erzählen lasse, ihm aktiv zuhöre und mir sein Gelaber auch anhöre, wenn ich eigentlich schon weiß, was kommen wird. Und manchmal... manchmal überraschen mich die anderen dann auch, weil plötzlich was kommt, womit ich dann doch nicht gerechnet habe.

    Damit will ich nicht sagen, dass diese Gründe für dich keine Rolle spielen. :)

    Aber das, was du meinst... ich hoffe, ich verstehe das jetzt richtig... ich denke, es ist doch so ziemlich jedem (außer Demian^^) wichtig, ein bestimmtes Bild von sich selbst zu vermitteln. Natürlich möchte man intelligent rüberkommen, aber eben auch nicht zu arrogant - wie du auch schon schreibst.
    Und bei so ziemlich jedem Gesprächspartner nimmt man gewisse Adjustierungen vor... man passt sich aneinander an, redet anders mit jemandem... und vermittelt vielleicht auch andere Bilder.

    Määäh, was RED' ich hier eigentlich? Ich verfranz mich.^^

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  6. Na, dann kann ich ja beruhigt sein, daß nicht nur ich mich so strange verhalte ;)

    @mys: schü... schü ... schüchtern bin ich nun wirklich nicht. Antischüchtern wohl eher :D

    @Demian: Da hatte ich gerade mein Buch zu Ende gelesen und draußen war es schon zappeduster. ^^

    @rebhuhn: Oh ja, sobald man so richtig drinne ist, gibt's kein Halten mehr. ^^

    @blossom: Höflich bin ich auch ;) Also könnte das auch noch ein Argument sein. Zumindest so lange man mich nicht ärgert.

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