Samstag, 8. August 2009

Still waiting

So fühlt sich also Hilflosigkeit an. Ich sitze in meiner Wohnung und warte auf den erlösenden Anruf, der voraussichtlich um 4 Uhr morgen früh anklingeln wird. Dann nämlich wird mein Mann mich anrufen und mir sagen, daß er gut angekommen ist und vermutlich noch ergänzen, daß ich eine doofe Kuh bin, mir solche Sorgen gemacht zu haben. Bis dahin sitze ich hier, warte und versuche, nicht in diese blöde Gedankenspirale reinzurutschen, die hinter jedem oberflächlichen Gedanken lauert. Im Moment gucke ich WW, was mich aber im Moment nicht packt.

Man lernt so einiges über sich in einer solchen Situation. Es gibt Menschen, die sich anscheinend nichts dabei denken, wenn sie ihre Liebsten am Flughafen verabschieden. "Man sieht sich! Meld' dich mal. Schick mir 'ne Karte! Begrabsch' nicht wieder die Saftsch*bse!" Auf der anderen Seite gibt es Menschen wie mich, denen es schwer fällt, die Kontrolle über ihr Leben ein paar Tonnen Flugzeug anzuvertrauen. Genauso fühlte es sich an, als er durch den Check-In ging und ich allein zurückblieb. Oder vielleicht bin ich auch die Einzige mit diesen Ängsten, keine Ahnung. Auf einmal verpuffte das trügerische Gefühl der Sicherheit, für jeden Notfall gerüstet zu sein und ich konnte nur noch zuschauen, wie er verschwand. Die Situation war unglaublich unwirklich und es fühlt sich auch nicht real an, was ich gerade durchlebe.

Einige werden sicherlich meinen, daß ich überreagiere. Aber warum sollte mich das interessieren?

Das Einzige, was mir in meinem gesamten Leben wirklich wichtig ist, sitzt im Flugzeug und fliegt neun Stunden in die Vergangenheit, während ich keine Möglichkeit habe, es zu unterstützen oder zu beschützen, wie ich es sonst tun würde.

Sobald mein Mann angekommen ist und sich gemeldet hat, geht es mir wieder gut, aber bis dahin mache ich einen fiesen Selbsterkenntnistrip durch, der mir überdeutlich vor Augen führt, daß selbst ich nicht alles kontrollieren kann, obwohl ich ein First-call für Notfälle bin.

Es sind noch viereinhalb Stunden bis um vier Uhr morgens, ich bekomme Kopfschmerzen vom Gedankenvermeiden, höre sinnlosem Gebrabbel im Fernsehen zu und überlege mir, ob ein Kaffee gegen die Kopfschmerzen helfen könnte, während eine rumschwirrende Fliege mich in den Wahnsinn zu treiben versucht.

Dies sind keine Sternstunden von mir.

3 Kommentare:

  1. Ich habe es immer gesagt und ich wiederhole es immer wieder gerne: Ihr Weibsvolk habt einen an der Schüssel. Alle.

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  2. Öhm ja, da hatter recht, der PropheT, wobei ich das natürlich so nie nich sagen würde. Und das alle würd ich auch durch ein "fast" einschränken. Btw sind Flugzeuge die sichersten Verkehrsmittel, statistisch gesehn jedenfalls, aber das weisste ja sicher.

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  3. Er ist dort gut angekommen, insofern ist jetzt wieder Entwarnung für mich angesagt.

    @PropheT: Warum auch nicht? Das Leben ist schließlich nicht fluffig, bunt und zum Rumhängen da ...

    @Demian: Statistiken reichen mir nicht. Ich bin ein Optimist mit Erfahrung oder mit anderen Worten ein Pessimist. Es kann immer das Schlimmste passieren. Und meine bisherigen vielartigen Lebenserfahrungen geben mir recht, daß Statistiken für die Füße sind (oder ich eine statistische Ausnahme bin, was mich aber auch nicht gerade beruhigt).

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